Zum Inhalt

Auf einem Smartphone sind mehrere Apps abgebildet, die App "Temu" ist klar erkennbar.
Bild: Diego / stock.adobe.com

Manipulative Websitegestaltung und fehlender Schutz von Minderjährigen: VKI-Verfahren gegen Temu

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) führt im Auftrag des Sozialministeriums zwei Gerichtsverfahren gegen die Whaleco Technology Limited (Temu) am Handelsgericht Wien. Ein Urteil liegt derzeit noch nicht vor.

Die Plattform Temu ermöglicht Verbraucher:innen aus Österreich den Erwerb von diversen Verbrauchsgütern von überwiegend chinesischen Händler:innen. Insbesondere bei jüngeren Konsument:innen erfreut sich die Plattform großer Beliebtheit. Aus verbraucherschutzrechtlicher Hinsicht bestehen in mehrfacher Hinsicht Bedenken gegen die Geschäftspraktiken der Plattform.

Abgabe von Unterlassungserklärungen durch Temu

Der VKI hat Temu, jeweils im Auftrag des Sozialministeriums, bereits mehrfach abgemahnt und konnte im Jahr 2024 drei strafbewehrte Unterlassungserklärungen erwirken. Die Unterlassungserklärungen betreffen ua die Verpflichtungen von Temu, 

Bezüglich anderer Aspekte lenkte Temu nicht ein und ließ es auf Gerichtsverfahren ankommen. Derzeit laufen am Handelsgericht Wien zwei Verfahren des VKI gegen Temu, jeweils im Auftrag des Sozialministeriums. In diesen Verfahren geht es unter anderem um folgende rechtliche Vorgaben, die Temu nach Auffassung des VKI nicht (ausreichend) erfüllt: 

Aktuelles Verfahren I: „Dark Patterns

Nach Auffassung des VKI entspricht die Websitegestaltung von Temu nicht den gesetzlichen Vorgaben, indem sie Verbraucher:innen unter anderem durch den Einsatz sogenannter „dark patterns“ manipuliert. 

Verbraucher:innen werden so zur Teilnahme an Verkaufsaktionen sowie zu vorschnellen Kaufentscheidungen verleitet, die sie bei vollständiger Information nicht oder nicht in dieser Form getroffen hätten. So werden Nutzer:innen mit vermeintlichen Gratisgeschenken und Gutscheinen gelockt, deren Einlösung jedoch an hohe Hürden und versteckte Bedingungen geknüpft ist. Ferner finden sich auf Temu regelmäßig manipulative Gewinnspiele, die künstlich in die Länge gezogen und emotional aufgeladen sind, um Kaufentscheidungen der Kund:innen zu beeinflussen.

Überdies führt die Gestaltung der Benutzeroberfläche dazu, dass Nutzer:innen unbeabsichtigt Zustimmungen erteilen – z.B. für Werbung oder das Speichern sensibler Daten. Die Kontolöschung auf Temu ist bewusst kompliziert und langwierig gestaltet, im Gegensatz zur schnellen und einfachen Kontoerstellung. 

Aktuelles Verfahren II: unzureichende Schutzmaßnahmen für Minderjährige und intransparente Empfehlungssysteme

Temu betreibt in großem Umfang Werbung auf Plattformen wie insbesondere TikTok, die minderjährige User:innen überproportional nutzen. Einen entsprechenden Schutz dieser Minderjährigen leistet die Plattform hingegen nicht; so können Minderjährige ohne Weiteres gefährliche Faltmesser oder Erotikartikel erwerben. Dies entspricht nach Auffassung des VKI nicht den Vorgaben des DSA.

Nicht ausreichend transparent gestaltet ist nach Auffassung des VKI die gesetzlich gebotene Darstellung der Empfehlungssysteme. Konsument:innen werden weitgehend im Unklaren gelassen, auf Basis welcher Kriterien sie Produkte angezeigt bekommen.

Diesen Beitrag teilen

Facebook Twitter Drucken E-Mail

Das könnte auch interessant sein:

Unterlassungserklärung von FLAGA

Unterlassungserklärung von FLAGA

Der VKI hat im Auftrag des BMASGPK die FLAGA GmbH wegen 16 unzulässiger Klauseln in deren AGB abgemahnt. Unter anderem verstießen die enthaltenen Bestimmungen zu Preisänderung und Demontagekosten gegen die gesetzlichen Bestimmungen. FLAGA hat am 27. Jänner 2026 eine Unterlassungserklärung abgegeben.

Unterlassungserklärung von FedEx Europe

Unterlassungserklärung von FedEx Europe

Der VKI hat im Auftrag des BMASGPK die Federal Express Europe, Inc. wegen unzureichender Zurverfügungstellung von Kontaktinformationen auf ihrer Website abgemahnt. Die Homepagegestaltung von FedEx Europe verstieß nach Auffassung des VKI gegen Bestimmungen des FAGG und des ECG. FedEx Europe hat am 22.01.2026 eine Unterlassungserklärung abgegeben.

Elektrizitätswirtschaftsgesetz stellt den Strommarkt auf neue Beine

Elektrizitätswirtschaftsgesetz stellt den Strommarkt auf neue Beine

Mit dem „Günstiger-Strom-Gesetz“ wurde ein neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz erlassen, das umfassende Neuerungen für den österreichischen Strommarkt beinhaltet. Das ElWG ist in weiten Teilen seit dem 24. Dezember 2025 in Kraft. Einzelne Bestimmungen (etwa der Sozialtarif) treten im Laufe des Jahres 2026 in Kraft.

EuGH: Airline muss bei Flugannullierung auch Vermittlerprovision erstatten

EuGH: Airline muss bei Flugannullierung auch Vermittlerprovision erstatten

Der EuGH hat aufgrund eines vom VKI im Auftrag des Sozialministeriums eingeleiteten Verfahrens entschieden, dass der den Fluggästen bei Flugannullierung zu erstattende Ticketpreis auch die dem Vermittler geleistete Provision einschließt, ohne dass es erforderlich wäre, dass die Airline die genaue Höhe dieser Provision kennt.

Unterlassungserklärung von Blaha Gartenmöbel

Unterlassungserklärung von Blaha Gartenmöbel

Der VKI hat im Auftrag des BMASGPK die Blaha Gartenmöbel GmbH wegen 16 unzulässiger Klauseln in deren AGB abgemahnt. Unter anderem verstießen die in den AGB von Blaha Gartenmöbel enthaltenen Bestimmungen zu Preisänderung, Mahnspesen und Verzugsfolgen gegen die gesetzlichen Bestimmungen. Blaha Gartenmöbel hat am 19.12.2025 eine Unterlassungserklärung abgegeben.

unterstützt durch das 

Sozialministerium

Zum Seitenanfang